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16.01.12 von Roland Romanik
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Fünf Fragen an den Ultraläufer

INTERVIEW. Sie werden gerne als Extremsportler bezeichnet, weil sie 50 km und viel mehr am Stück laufen. Ultraläufer sind der Beweis, dass es auch ein Leben nach dem Marathon gibt. ichlaufe.org hat bei einem dieser Ausnahmesportler auf fünf Fragen Antworten gesucht.
 
zur Fotoshow(c) photos.com/Privat
Ultradistanzen sind für den Läufer (im Bild Walter Wakonig, Staatsmeisterschafts-Sechster 2011) eine körperliche und auch mentale Gratwanderung. Nur mit einer gewissenhaften Vorbereitung und der richtigen Einstellung stellt sich der Erfolg ein. 


Walter Wakonig ist im Sommer 2010 von der klassischen Langstrecke (Marathonbestzeit: 2:56 Stunden, Verona 2010) auf die Ultralaufdistanzen umgestiegen. Bei der Premiere im deutschen Schwäbisch-Gmünd waren es 50 km, dann 70, jetzt ist er bei 100 km im Wettkampf angekommen. Am 22. April 2012 wird der Oberösterreicher in der Master-Klasse am Start der 100-km-Welt- und Europameisterschaften in Seregno in Italien stehen und somit Österreichs Farben vertreten. Eine steile Ultralauf-Karriere. Was hat sich seit dem Wechsel auf 50+ geändert im Leben und Trainingsalltag des 40-Jährigen? Hier unsere Fragen an den Ultraläufer:

ichlaufe.org: Wie viele Stunden und Kilometer mehr pro Woche bist du seit deinem Umstieg auf die Ultradistanzen unterwegs? Trainierst du länger pro Einheit oder einfach öfter?
Wakonig:
Grundsätzlich ist der Laufaufwand nicht viel mehr als in der Marathonvorbereitung. Etwa zwölf Wochen vor einem Ultralaufwettkampf erhöhe ich allerdings mein Trainingspensum um ca. vier Stunden pro Woche, d.h. ca. 50 bis 60 km mehr in der Woche. Das sind insgesamt etwa zwölf Stunden Training in sieben Tagen. Ich trainiere dann länger pro Einheit, an Samstagen und Sonntagen jeweils mindestens drei Stunden. Während der Woche absolviere ich auch schnellere Einheiten. Aber ein bis zwei Regenerationstage sind mir trotzdem sehr wichtig. Und die müssen auch unbedingt sein. 

Ist die Belastung für Gelenke und Muskeln viel schlimmer? Wie erholst du dich möglichst rasch?
Während der Trainingsphase verkrafte ich die Belastung einigermaßen leicht. Nach einem Wettkampf geht es mir dann aber nicht so gut. Ich brauche einige Zeit, um mich zu erholen. In der ersten Woche geht da mit Laufen gar nichts. Ich versuche mir mit Muskelbädern und Massagen Gutes zu tun.

Müdigkeit beginnt im Kopf, sagt eine aktuelle Studie der Sportwissenschaft. Wie wichtig ist die mentale Komponente beim Ultralauf?
Je länger die Distanz ist, desto wichtiger ist die mentale Stärke. Ich sage: Etwa 40 Prozent der Laufleistung hängt vom Kopf ab. Sich auf einen Ultralauf mental vorzubereiten ist unabdinglich. Eigenes Mentaltraining mache ich aber keines. Ich gehe einfach positiv eingestellt in einen Wettkampf. Für mich ist auch sehr wichtig, das meine Familie zu 100 Prozent hinter mir steht - und wenn möglich auch mit zum Wettkampf kommt. Das gibt mir großen psychischen Rückhalt.

Beim Lauf selber konzentriere ich mich ganz auf meinen Körper - Puls, Trinken, Nahrungsaufnahme -, da vergeht die Zeit schnell. Aber das lerne ich schon im Training, wenn ich stundenlang unterwegs bin. Darüber hinaus habe ich eine sehr hohe Schmerzgrenze: Aufgeben gibt es nicht, diese Eigenschaft hilft mir über ganz schwierige Phasen hinweg.

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Was ist der Genuss auf einer langen Distanz – oft geht es ja auf einem kleinen Rundkurs stundenlang im Kreis?
Ultraläufe wie der Rennsteiglauf in Deutschland (72,7 km und 2.400 m Höhendifferenz) sind wahrlich ein Genuss, da saugt man die Atmosphäre und die herrliche Umgebung nur so auf. Bei Rundkursen sieht das ganz anders aus, da spielt wie gesagt die mentale Stärke eine ganz besondere Rolle. Wenn es am Wettkampftag gut läuft, spule ich auch Runde für Runde mit Genuss ab. Läuft es einmal nicht so gut, kann so ein Wettkampf auch zur richtigen Qual werden. Bin ich erfolgreich am Ziel angekommen, überwiegt die Euphorie aber so, dass ich die ganze Qual leicht und schnell vergesse.

Welche drei Tipps gibst du Läufern, denen ein Marathon nicht mehr genug ist und die sich auf eine Distanz von mehr als 50 km wagen wollen?
Tipp 1: Beginne nicht mit einem zu extremen Wettkampf! Bei mir war es ein 50-km-Rennen, das war gerade richtig.
Tipp 2: Geh mit der richtigen Einstellung in ein Ultra-Event! Du musst deine Trainingseinheiten konsequent durchziehen, um dein persönliches Ziel zu erreichen. Anders funktioniert es nicht. Gerade in der Vorbereitungsphase musst du doch auf einiges verzichten und versuchen, das zeitintensive Training so gut wie möglich in den Alltag einzubinden.
Tipp 3: Probier es einfach aus und genieß es! Ultra-Landschaftsläufe haben einen ganz besonderen Charakter.

Walter Wakonig – Ergebnisse und Platzierungen (Gesamtrang) seit 2010:
Marathon:
Verona-Marathon 2010: 2:56:51 Stunden (persönliche Bestzeit)
Ultralauf:
Alb-Marathon Schwäbisch-Gmünd 2010 (50 km/1.080 m HD): 4:05:26 (Platz 23)
Rennsteiglauf 2011 (72,7 km/2.440 m HD): 6:22:25 Stunden (Platz 37)
6-Stunden-Lauf Grieskirchen 2011: 74,6 km (Platz 3)
100-km-Lauf Steyr 2011: 8:52:01 Stunden (Platz 11)
6-Stunden-Lauf Schwechat 2011: 74,9 km (Platz 6)

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